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SONJA
DAEMEN
Zu: Birgit Brenner, Kleid
Auf den
ersten Blick wirkt das Bild unästhetisch. Vernachlässigte Menschenwürde.
Erinnert an Misshandlung. Warum tun Menschen anderen Menschen so etwas an?
Warum lassen Menschen sich das antun? Ja, was eigentlich? Was soll denn
hier passiert sein? Ein an sich schon hässliches Kleid, das nicht zu dem
in ihm steckenden Körper passt. Dessen Nähte bereits einzureißen beginnen.
Ein Körper, der nicht ins Kleid passt. Behaarte Arme, pickliger, breiter
Rücken; ist das überhaupt ein Frauenkörper? Der dreieckförmige
Hautausschnitt, verbrannt von der Sonne (oder war es ein Bügeleisen?), ist
offenbar zuvor von einem anderen Kleidungsstück unbedeckt gewesen.
In Südungarn brennt die Sonne wie ein Bügeleisen. Eine Frau flüchtet aus
der Puszta. Weg von ihren ewig schmutzigen, kreischenden, heulenden
Kindern, weg von dem Hof mit dem maroden Galgenziehbrunnen, dem überall
herumliegenden zerbrochenen Spielzeug, den leeren Weinflaschen und dem
meist schwankenden, lallenden oder schnarchenden Mann, den sie auf Wunsch
ihrer Eltern vor acht Jahren geheiratet hat. Sie muss weg von ihren 450
Gänsen, die nicht mehr gestopft werden dürfen, seit Ungarn der EU
beigetreten ist. Die als Weihnachtsbraten nur noch einen Bruchteil dessen
einbringen, was sie früher für die Gänseleber erhielten.
Ihre Schwarzfahrt mit der Eisenbahn in Richtung Nordwesten muss Emese
wegen der lästigen Kontrolleure immer wieder unterbrechen. Am Abend des
vierten Tages kommt sie in Berlin an und verbringt die Nacht auf einer
Bank vor einer Bank am Bahnhof Friedrichstraße. Morgen will sie bei einer
sozialen Organisation um Hilfe bitten. Die Adresse hat sie auf einem
Zettel in ihrer Jackentasche.
Am fünften Tag erhalte ich kurz vor Feierabend einen Anruf meines Kollegen
Koray aus Neukölln. Eine Ungarin ist bei ihm aufgetaucht, in Begleitung
eines betrunkenen deutschen Mannes. Der Mann weiß nichts. Und die Frau
versteht er nicht, denn Türkisch und Ungarisch sind trotz aller ihnen
nachgesagten Verwandtschaftsbeziehungen nicht so leicht miteinander
vereinbar. Er gibt ihr meine Telefonnummer.
Als ich am Morgen des sechsten Tages mein Büro in der Beratungsstelle für
Neuzuwanderer betreten will, steht Emese bereits seit zwei Stunden vor den
heruntergelassenen Jalousien, neben sich einen Koffer, in der Hand den
Zettel mit unserer Adresse und meinem Namen. Ja, ich bin es. Ich spreche
zwar ungarisch, aber natürlich sind wir keine Kriseneinrichtung. Und
EU-Bürgerin zu sein erweist sich leider als ausgesprochen ungünstig, wenn
kein Vermögen vorhanden ist. Die Gesetzeslage ist eindeutig: mit ihrer
Müdigkeit, ihren schmutzigen Kleidern, ohne Wohnung und
Krankenversicherung hält Emese sich hier illegal auf. Und sie hat noch
nicht mal einen Beruf gelernt! Wir brauchen schließlich Einwanderer, die
Deutschland voranbringen! Trotzdem muss sie sich waschen, etwas essen, und
sie braucht ein Bett für die Nacht. Die verbrannte Haut, die
Bügeleisen-Attacke schreit nach Frauenhaus. Ich telefoniere rundherum. Es
gibt unzählige Frauenhäuser in Berlin: interkulturelle, muslimische,
künstlerisch oder politisch ausgerichtete. Aber alle bestehen auf einer
Meldebescheinigung und einem Anspruch auf Sozialleistungen, wegen der
Re-Finanzierung. Am Ende entlasse ich Emese mit einem weiteren Zettel in
der Hand: Die Adresse eines Hauses, wo sie täglich von sieben Uhr abends
bis sieben Uhr morgens bleiben kann. Ich entschuldige mich: mehr ist nicht
drin. Doch Emese strahlt.
INES
GERSTMANN
Max Klinger “Eine
Mutter III”
Römische Chiffren
Der blinde Schriftführer saß federführend an der Stirnseite des
Richttisches. Ihm gegenüber erhob sich der Vorsteher des hohen Rats.
Er erhob
sich mit den Worten:
“Der hohe Rat ist hier zusammen gekommen, um über den Fall der Mutter III
zu beraten. Schriftführer! Schriftführer, halten sie die Anwesenden fest!”
Der blinde Schriftführer griff zur Feder. Mit der linken tastete er seine
unmittelbare Nähe auf dem Richttisch ab. Er suchte Pergament. Er fand
keines. Aufgeregt des unerhörten Vorgangs seiner Suche, war seine gewohnt
sichere Federführung dahin. Mit dem fehlenden Pergament fiel die Feder.
Nach lautlosem Flug, kam sie zu Füßen des Blinden zum Erliegen. Erneut
tastete der Schriftführer auf dem Richttisch. Die Anwesenden wurden
ungeduldig. Ein Sehender reichte ihm eine neue Feder. Dass dem
Schriftführer das Pergament fehlte, sah er nicht. Der Blinde wähnte sich
der Hilfe des Sehenden sicher. Der Vermutung zugetan, Pergament vor seinen
Augen zu haben, begann er zu schreiben. Er begann auf der Platte des
Richttisches festzuhalten, was ihm der Vorsteher diktierte:
“Es sind anwesend - Vorsteher I, Anwesender I, Anwesender II, Anwesender
III, Anwesender IV, Schriftführer I, Mutter III und ihr ehrenwerter Gatte
I.
Rrrrrrrruuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu
he,
Anwesender III! Sie reden Anwesenden IV ja zu Tode.” Der Anwesende III
redete weiter. Er war taub. Anwesender IV schien tot. Derweil hatte der
Schriftführer alles und alle auf der Richttischplatte
festgehalten.
Verewigt.
Der Vorsteher führte den hohen Rat weiter durch das Verfahren:
“Schriftführer, legen sie die Beweisstücke auf den Tisch!” Tastend wandte
sich der blinde Schriftführer um. Er suchte nach den Beweisen. Mit
ausladender Geste griff er in die Luft. Es verstrich Zeit. Der Blinde
bekam die Beweise zu fassen, legte sie Bündel für Bündel auf den
Richttisch. Er legte sie auf den verewigten Anwesenden ab. Ein Bündel
stieß der Blinde, aus Versehen, gegen den Pfeiler, der sich zwischen den
klagenden Anwesenden und der Angeklagten Mutter III erhob. Das Bündel
schrie. Der Vorsteher war außer sich der Störung des Verfahrens: “Ruhe im
Gericht!” Das Bündel wimmerte weiter. Anwesender I war kurz aus seinem
Schlaf erwacht, strich sich über den alten Zopf im Gesicht und schloss
zufrieden die Augen.
Anwesender II hatte derweil den Blick auf den ehrenwerten Gatten I
gerichtet. Der Vorsteher mahnte ihn: “Anwesender II nehmen sie den
ehrenwerten Gatten I aus ihrem Blickfeld.” Dem Bedürfnis folgend ein
Urteil zu fällen, richtete der Anwesende II Mutter III mit seinem Ansehen.
Der taube Anwesende III redete derweil immer noch auf den scheintoten
Anwesenden IV ein. Das Beweisstück III wimmerte weiter. Der blinde
Schriftführer hielt sich die Ohren zu. Alle anderen taten nichts. Alle
schwiegen. Der Vorsteher trieb das Verfahren auf die Spitze. Die
Anwesenden erwarteten ein Ende von ihm. Er kam dem nach:
“Mutter III, warum haben sie ihre Kinder nicht ….”
Mutter III hob den Kopf: “Ich….”
Der Vorsteher herrschte sie an: “Fallen sie mir nicht ins Wort. Ich bin
nicht gewillt ihrem egozentrischen Ich…. , Schriftführer, halten sie fest:
Mutter
III denkt,
sie denkt ausschließlich an sich.” Der Vorsteher wandte sich wieder Mutter
III zu: “Warum also haben sie ihre Kinder,
warum haben sie sie hungern lassen?”
Mutter III senkte den Kopf: “Wir….”
“Halt! Nicht wir! Lassen sie die Anwesenden aus dem Spiel und lassen ihren
ehrenwerten Gatten in Frieden. Er steht hier nicht zur Debatte. Sie sind
die Täterin. Schriftführer halten sie fest: Mutter III will den
ehrenwerten Gatten I, der stets seiner vaterländischen Pflicht
nachgekommen ist, zum Täter deklarieren." Der Vorsteher richtete das Wort
erneut an die Angeklagte: "Mutter III, rücken sie besser mit der Sprache
heraus: Warum haben sie ihre Kinder hungern lassen?” Zufrieden seiner
klugen Frage sah er in die Runde der Anwesenden. Ein langes Schweigen
folgte. Die Anwesenden blieben anwesend. Mutter III schüttelte den Kopf:
“Die Drei….”
Der Vorsteher hieb mit der Faust auf den Richttisch: “Genug der
Beschuldigungen! Jetzt sind wohl noch die Knaben Schuld an ihrem Elend?"
Der Vorsteher spielte an seinem Rockschoß. Er suchte dort nach den
passenden Worten. “Also Schriftführer I, halten sie fest: Der hohe Rat
richtet folgendes Urteil gegen Mutter III - Lebenslange Einzelhaft sie,
und die Kinder kommen in die
reichhaltigen
in die reichhaltigen Hände des Vaterlandes.”
Der Vorsteher ließ die Worte einen Moment nachklingen. Kurz wankte er, als
er zum blinden Schriftführer hinüber ging. Er sah sich um, ob es niemand
der Anwesenden wahr nahm. Anwesender I schlief. Anwesender II richtete
Mutter III mit starrem Blick. Anwesender III war in sein Gespräch
vertieft. Sein Zuhörer, Anwesender IV, war zu Tode geredet. Mutter III
blieb dem Vorsteher undurchsichtig. Ihr ehrenwerter Gatte I stand
pflichtbewusst zur Verfügung. Der Vorsteher raunte dem blinden
Schriftführer ins Ohr: “Schriftführer? Halten sie das Urteil für
angebracht?” Der Blinde verstand nicht. Er tastete mit der Hand über das
immer noch wimmernde Bündel. Er suchte das Pergament, das Urteilspapier.
Er wollte sehen
sehen ob er auch alles
ordnungsgemäß festgehalten hatte. Immer und immer wieder strich er über
Bündel III hinweg. Es fühlte sich nicht richtig an. Ja, plötzlich fühlte
es sich an.
Er nahm etwas wahr.
Bündel III hörte auf zu wimmern. Der Schriftführer strich weiter. Er
strich unaufhörlich über Bündel III. Der blinde konnte seine Finger nicht
mehr von Bündel III lösen. Es begann an den empfindsamen Fingerspitzen des
blinden Schriftführers zu saugen. “Herr Vorsteher? Ich kann es nicht
sehen. Aber das Pergament fühlt sich fremd an. Anders als -
gewöhnlich.”
Max Klinger “Im Walde”
barfuss
Am Abend kam der Alte am Bach an. Es dämmerte. Er sah es nicht. Es hatte
ihn an jenen Ort geführt. Es war der Knabe. Es war der Bach des Knaben.
Trotz seiner Blindheit, erkannte er das Bett.
Er faltete seinen Mantel.
Er faltet sein Hemd.
Er faltete seine Hose.
Er faltete sein Unterkleid.
Er faltete seine Hände.
Er faltete seinen Brief.
Er schnürte das Bündel mit dem Gürtel. Seinen Brief legte er zuoberst.
Kein Empfänger. Kein Absender. Er trat in den Bach. Er stieg in das Bett.
Dort war keine Bewegung mehr zu spüren. Der Wasserlauf war ein Weg
geworden. Das Bachbett des Knaben war ausgetrocknet. Erst in jenem
Augenblick hörte er die Stille. Die Kronen der Bäume rauschten. Die
Menschen rauschten in der Ferne. Es rauschte in seinen Ohren die Stille.
Das Rauschen des Baches fehlte. Er stand im Bach und dachte: `Das Bett war
ein Weg geworden?´ Er folgte! Er entschied sich entgegen der Richtung, aus
der das Rauschen der Menschen in die Stille drang. Er wanderte durch das
Bett des Knaben. Er ging, wie er einst gekommen war. Der Wind wehte ihm
den Hut vom Haupt.
Feldarbeit
I
der künstler
ist der kunst
empfindSamer
II
Als sie kehrten,
als sie wieder kehrten,
ein jeder in seine Himmelsrichtung,
bedeckte der letzte Schnee
nichts.
“verschneite Trümmerstadt”
Wilhelm Rudolph
III
Ein Trümmerfeld schließt ein
Pferd
ein, ein
Wesen - wartend.
Wartend der Arbeit.
Arbeit.
Des Wesens notwendiges Wesen.
Es wagte keinen Blick
in keine Richtung.
Nirgends
ein Wesenszug.
Niemand
war mehr
war mehr
an wesend.
Niemand
Niemand
der antrieb
zur Feldarbeit.
“Pferd im Trümmerfeld”
Wilhelm Rudolph
IV
Ich bin
Ich bin
ein Selbstversuch.
Ich selbst
ich bin
ein Gegenstand
ein Gegenstand
der Beobachtung
ausgesetzt.
Werte
Werte Gäste
und
Werte und Gäste
und
Wärter und Geste.
Ich heiße sie
und
will kommen
auf den
Punkt
Punkt
Der Beifall folgt der Kunst.
Er ruft,
er ruft hinterher,
er ruft hinterher
Verneigen
hervor.
Schenken wir uns,
schenken wir uns das:
Liebe,
Liebe
Gäste.
INGRID
GRAFF
Traum
Dunkelheit umgibt mich, ich bin voller Angst.
Düstere Gedanken treiben mich fort, fort auf einem schmalen Weg.
Schweigen als Wegzehr!
Ein leeres Haus.
Es kostet Kraft, dort hinein zu gehen.
Nur ein paar Schritte, dann stehe ich für Sekunden im Flur.
Türen öffnen sich und ich betrete einen Raum.
Dieser Raum erscheint mir in einer unheimlichen Ruhe.
Die Fenster sind verschlossen,
Jedoch, ein kalter Wind zieht an mir vorbei.
Es fröstelt mich den Rücken runter.
Gesichter wandeln verhüllt in schwarzer Seide, sie umkreisen meine Seele.
Eine Stimme ertönt in diesem Zimmer.
„Geh, geh tiefer hinein und hab keine Furcht.“
Meine Hände zittern, auf einmal komme ich mir vor, wie ein Gefangener,
Gefesselt im eisigen Käfig aus Stahl.
Gelähmt vor Angst, schreit mein Inneres nach Flucht.
Und wieder diese Stimme, kalt erklingt sie aus einer Ecke.
„Ich bin es, ich der Tod.“
Ich breche mein Schweigen.
„Höre, Tod, schone mich, bis mein müdes Herz sich neigt.“
Schweigen, niemand ist mehr zu sehen,
Nur ein kalter Wind bläst sacht mir ins Gesicht.
Befangen ziehe ich die Tür hinter mir zu.
INGRID KOPIELSKI
Bangen
geborgen in uns
hockt der krieg
sieben
stehn geschrieben
warten
weisheit zu schwer
verstellt
um müden Lippen
stolz zu schenken
frei
sind nur die nüstern
zu: Das Bangen
Käthe Kollwitz Lithografie 1914
Lebenszeichen
Der Erich, die Lene, der
Werner und Franz
die halten sich fest.
Sie spielen Räuber und Gendarm,
Himmel und Hölle -
fast schon wieder arglos -
zwischen fremden Steinen.
Manchmal finden sie einen
Knust.
Dann teilen sie:
Für Erich, für Lene, für Werner, für Franz.
Immerhin.
Wenn alles vorbei sein wird,
werden wir noch Muster haben:
Karten zum Melden
Aus den Ruinen
Es wird Menschen geben,
die noch
lesen können
und schreiben,
so richtig mit Tinte.
Und teilen.
Es wird….
Wird es?
Dann lasst uns
JETZT
beginnen,
Makulatur zu stampfen
Zu: Petrowsky/ Voigt
Lebenszeichen
Grafikmappe: Fastnacht und Aschermittwoch
MICHAEL
ANDREAS PETERS
Nonette spricht
Soll ick, sollickdirmalwasaren,
die sinn doch dämlich, sind die. Die blitzen überall, überall sarick dir.
Nich jenuch, dassse inner Klinik wo ick putz, in den Banken überall
Kamaras haben, an jeder Straßenkreuzung knipsense un kassiernse dafür,
dassse einem dann unglaublich schlechts Fotomaterial zuschicken. Die
Juwelendiebe in London hätten keine Masken jebraucht und nun der
Höhepunkt, da hat doch sone Künstlerin, saren se dazu ne?.... Ja! Die
haddie Fotos kopiert und vagrößat und breitjezoren, so breit sind die
nämlich nich, is doch allet brotlose Kunst wie maso sacht.
Die hat neune von de
Starkastnporträts aufjeklebt und hinjehängt und der Kustus oder wieer
heißt, jenfalls 'nschwarzen Anzuch hatteranjehab, hat sich ein
abgebrochen,ob er'n Kunstbegriff so breit kriecht, dasse noch droff jeht
und en andrer hat jefragt wassen der Fotomänsch dranne zu schaffen hat.
Aber icksare Dir keener, nich
eener, nich eener vonne janse Mischpoke hatte jesehn, dat ditte eine
Homasche an Endy Warhohl seine bunten Dinger vonne Monroh is.
Siste und ditte is Kunst und
über sowat rednse innen Kunstvaein und übrijens wennde noch eh mal wat
jejen meine Hüte sachst, dann hol ickmir die Strickmützenporträts vonner
Stürmer-Alex und hängse übers Bette.
Sieben Wunden im Fleische
Da lehnt sie, in die Wand
geschmiegt, die Mütter aller Mütter aus meinem alten Literaturbuch. Oder
war's Geschichte? Die Kollwitz, der herausfordernde Blick einer
Mütterschöpferin.
Das ist alles Andere als die Erweckung alter Klischees von Schule und
Erinnerung eines Schulaufsatzes zu Gorkis Mutter.
An sie, nicht den Aufsatz muß ich immer denken, wenn ich der Kollwitz
begegne.
Lange hab ich am Kollwitzpark gewohnt, hab manchmal das Gefühl generiert,
mir blicke wer über die Schulter und das, das genau könnte jener Blick
sein. Ich setze mich mit dem Rücken zur Lithografie, von der ich nicht
wußte, dass sie in Frankfurter Besitz ist.... muß mir irgendwie
nachgereist sein.
So ist sie, die Geschichte um die Mütter. Sie sind nicht seßhaft und man
sollte meinen, man hätte immer nur genau eine davon, und das wäre dann
auch immer eindeutig. Ach was, alles Lug und Trug. Bei mir war das von
Anfang an anders:
Da wäre die, die mich neun Monate unterm Herzen getragen. Die rannte mit
mir Ostern auf den Kyffhäuser, als wäre ihr die Trägerschaft zu lang, um
mich dann doch noch bis Pfingstsonntag auszubremsen.
An meinem Wagen stand dann die Älteste, die als Schwester zur Vizemutter
generierte, mich von ihren Freunden auf den Schultern herumschleppen, dann
im Alter von 5 Jahren sitzen und ohne Nachricht ließ, wo in der Fremde sie
bitteschön ihr Haupt betten würde.
Als Mutter krank wurde, war es
Großmutter, die ihre Wäschesoda und Rubbelbrett gestärkten Hände über mich
hielt, sie war mit langem, zum Kutz aufgesteckten Grauzopf die Dritte
konnte backen und wäre in heutigen Worten der Kollwitz ein Topmodel
gewesen.
Die Vierte war eine Lehrerin
mit, wie man meinen könnte dienstgerecht, schlohweißem Haar mit einem
Stich ins Blauviolett. Sie war Neulehrerin, die sah, dass ich schon lesen
konnte, mich auf eigene Verantwortung in die zweite Klasse mitnahm, stets
neues zu lesen, ewige Neugier und Mut zu eigenem Denken mitgab.
Studierend gab ich mir Mühe
der Fünften ein guter Mann zu sein. Ihr roter Schopf brachte manchen zum
Wahnsinn. Mir brachte sie meinen Sohn Christian in die Welt und sich im
Kindbett um.
Die Sechste hatte einen kurzen
frechen Männerschnitt, trug ominöse Hüte und lange Gewänder, stahl mir
Skrupel vor dem Leben und schenkte mir ihre zehn Gebote. Wenn sie mir und
meinem Gefährten den Sonntagssegen spendete, war der Tisch für viele
bereitet, denn sie kochte unglaubliche Suppen.
Die Siebte trug riesige
Knöpfe, wurde immer als ein Gutmensch vernutzt und suchte doch heimliche
Lust in Leder mit Peitsche.
Eine ist heute anwesend.
WOLFGANG
THIESSEN
Eine kurze Nacht in Frankfurt
Wann immer ich nach Frankfurt
komme besuche ich Slubice, das mich genauso beeindruckt und doch so anders
ist. Eine befremdliche Sehnsucht nach neuen Eindrücken althergebrachter
Überlieferungen zieht mich in seinen Bann.
Wird eigentlich den polnischen
Gästen in Frankfurt die gleiche Aufmerksamkeit entgegengebracht wie mir
bei einem Besuch in Slubice? Werden sie mit freundlichen Worten auf
polnisch begrüßt wie wir in Slubice an jeder Ecke auf deutsch empfangen
werden, und können sie in Frankfurt ebenfalls überall mit Zloty bezahlen,
oder ist hier die scheinbare Auflösung der Grenzen innerhalb Europas nur
die lang gehegte Verschiebung der Grenze nach Osten?
Im Museum Junge Kunst in
Frankfurt (Oder) konzentriert sich meine Perspektive. Druckgrafiken, vom
Nibelungenlied bis zur Proteststimmung der Nachwendeenttäuschung. 70 Jahre
nach dem Überfall auf Polen, an der verschwommenen, fast verschwundenen
Grenze, die bis heute bestritten wird und doch deutlich sichtbar bleibt.
Dieses Frankfurt hat so wenig
von dem Frankfurt, das ich kenne, wie die Holzschnitte „Dresden 1945“
Wilhelm Rudolfs mit dem Dresden von heute gemein haben, doch der Einblick,
den sie gewähren fasziniert und ernüchtert zugleich. Schwarze Schraffur
auf weißem Grund, reduziert auf das Wesentliche. Je näher man es
betrachtet umso verschwommener wird das Bild, wie in der „Heisenberg'schen
Unschärferelation“ oder ist es vielleicht eher die „Altersweitsicht“?
Gräulich verbirgt sich
zwischen den gelangweilten Schraffuren und hinter dem Realismus exakter
Beobachtungen der Anderen, die Schönheit des Lebens in vielen
Schattierungen. Gestochen scharf in den Radierungen Max Klingers und sehr
prägnant in den Lithographien von George Grosz.
Die Märztage waren schon lange
vorbei und die Geschichte überschlug sich als Klingers Kupferdrucke 1922
veröffentlicht wurden und Käthe Kollwitz zeichnete vom Weberaufstand bis
in die Nachkriegszeit immer wieder sich selbst. Erika Stürmer-Alex setzt
sich dagegen in „Verschärfte Kontrolle“ verblüffend aktuell mit dem Blick
der Anderen auf sich selbst auseinander, noch beeindruckender scheint
jedoch ihr Fahrstil zu sein.
Erwartungsgemäß befremdlich
stellten sich im „Packhof“ die „Positionen der polnischen Gegenwartskunst“
in Szene. In dieser „kurzen Nacht der Frankfurter Museen“ lernte ich mehr
über Frankfurt, seine Geschichte und Gegenwart als je zuvor.
RAINER VANGERMAIN
Berlin – Kairo
Ich der Seher
War blind
Als die Nacht
Auf mich zuraste
In einer kurzen blauen Stunde
Zieh noch einmal
Das dunkelviolette Kleid
Aus Kairo an
Für mich
Ich der Hörer
War taub
Als die Nacht
Auf mich zuflog
In einer knappen blauen Stunde
Zieh noch einmal
Das nachtviolette Kleid
Aus Kairo an
Für mich
Ich der Sänger
Sang falsch
Als die Nacht
Auf mich zustürzte
In einer halben blauen Stunde
Zieh noch einmal
Das schwarzviolette Kleid
Aus Kairo aus
Für mich
zu: Kleid von Birgit Brenner
Laufpass – interkulturell
Hüpfend kommen
Die explodierenden Herzen
Der Liebe
Die Gassen der Altstadt
Herunter und singen
Weinend saß Ali
Zwischen den Schienen
Der Tram und
Rief nach Maria
Bis die Brüder kamen
Und ihn wegräumten
Wieder war einer auf
Der schiefen Bahn
Der Liebe und suchte
Sein Glück
Maria in Kreuzberg
Wo die Türkimachos
Ihr ins Gesäß kneifen
Blicke wie Messer
Wehr dich doch
Spielst mit dem Leben
Adieu, adieu,
adieu
Scheiß auf adieu
Mit Akzent
Komm zurück zu mir
Auf Ehrenmord ist
Kein Verlaß
Ich hol dich ab
Um halb vier
Dann gehen wir
Ins Kino küssen
Vielleicht wird mich
Dein Vater ermorden
Wenn schon
Auf Leben und Tod
Hier sind die Helme
Da steht die Honda
Komm
Tabaccoland
Lottoscheine und Pistolen
Sie wünschen
Schießen Sie mir die Frau
Aus dem Kopf
zu: Liebesnacht von Frieder Heinze
KERSTIN
WELKE
Baldwin Zettl A. und
E.
„Na ja.“ denkt E. schaut ins
Irgendwo und knickt die letzte Karte des begonnen Spieles, das A. längst
verloren hat. Gleich wird er sie auf sein wackliges und dann einstürzenden
Kartenhaus legen....
„Na ja“. Denkt A. schlägt
elegant die Beine übereinander „Muskeln ersetzen eben doch keine
Hirnmasse.“ Sie schaut aus dem Fenster und lächelt. „Mag das Spiel
verloren sein und der Mann, die letzte Karte geknickt, das Haus
eingestürzt, ich bin es nicht.“
Berhard Heising
Brigadier
Der hier ist noch nicht
arbeitslos, der lacht. Hält sich die Hand an Wange und Mund als wäre er
gerade positiv überrascht worden. Die Jacke spannte ein wenig über seinem
Bauch, Lachfältchen hat er um die Augen. Mit dem kann man sicher Pferde
stehen oder auch gut arbeiten. Vielleicht haben ihn seine Kollegen
überrascht zum Geburtstag, damals 1970. Heute überrascht uns nichts mehr,
nicht mal die Kündigung. Höchstens wenn einer so käme wie er mit einem so
freundlichen Lachen und Fältchen unter den Augen.
Wolfgang Smy „Über
Wasser halten“
Mühsam rudern
Oder am Ball bleiben
Angestrengt Ausschau
Halten
Nach kleinen Inseln
Oder gar dem
Unerreichbar fernen
Ufer –
Über Wasser halten
Bis zum nächsten
Untergang.
Kurzfilm Birgit
Brenner
Alles liegt in einer Wolke aus
kaltem Zigarettenrauch nur man sieht ihn nicht.
Tagsüber fliegen die
Düsenjäger übers Haus. Sie lärmen innen und außen. Sie lacht oft ohne
Grund. Sie lächelt auch auf dem Foto vom 15. März 1980 im Blauhemd, sie
lächelte 25 Minuten zu viel. Man ahnt noch nichts. War das ein Fehler?
Wenn sie daran denkt zittern ihre Hände und Fingerknöchel werden weiß wenn
sie die Hände gegeneinander drückt. Abblende ins Schwarze.
Sie lächelte auch am 7.
Februar 1990 an der Seite des Bundeskanzlers, nach dem Ende von Etwas. Sie
lächelte am 11. Januar 1995, sie lächelte am 23. Mai 1998. Eingeblendete
Lacher. Sie lächelte am 12. April 2001. Sie lächelte am 2. Juni 2001.
Immer der gleiche Fehler? Man ist müde, sie lächelt zu oft.
Doch sie lächelt weiter, vom
Foto, im Film, in der Zeitung, in den Nachrichten. Das macht Gänsehaut.
Schnitt und Stille, aber man
hört sie nicht, die Düsenjäger fliegen wieder übers Haus und sie lächelt.
Birgit Brenner Kleid
Nichts passt mehr und wer weiß
heute schon wo vorn und hinten ist.
Na bitte, wenigstens die Taille sitzt. Was, so kann ich nicht auf den
Laufsteg, warum? Ich habe die falsche Seite vom Ausschnitt gebräunt? Man,
dabei hab ich mir fast den Rücken verrenkt.
Willst Du mir etwa sagen ich bin durchgefallen? So kann ich nicht zur
Heidi.
Na gut, dann kann ich mir das rasieren sparen und die blöde blonde Perücke
kann auch weg.
Aber mach doch mal ein Erinnerungsfoto, kannst ja Kopf und Beine
weglassen.
Michael Geyersbach Wall Paper
Wenn Purzelbäume Früchte
tragen
pflanzen wir sie zwischen
Kyff- und Kaufhäuser.
In denen verkaufen wir
tätowierte Tomaten
mit Zwiebelmuster
und signieren Erbsen.
Die sind dann am
Schwarzen Freitag
teurer als am
Weißen Sonntag.
CARMEN WINTER
Rote
Schuhe
Der König trug rote Schuhe,
als er über das Schlachtfeld ging. Nicht vom Blut rote Schuhe, Schuhe aus
rotem Leder. Er trug immer rote Schuhe, königlich rote Schuhe. Wenn er zum
Frühstück ging, rote Schuhe, beim Regieren, rote Schuhe. War er bei einem
anderen König eingeladen, wo er über den roten Teppich schritt, der über
die Schlosstreppe ausgerollt worden war, trug er rote Schuhe.
Er besaß rote Reitstiefel und rote Badelatschen. Nein, pardon, das ist ein
Irrtum, die Badelatschen waren damals noch nicht erfunden. Aber seine
roten Pantoffeln streifte er abends, wenn er ins Bett ging von den Füßen
und ließ sie auf dem Bettvorleger stehen.
Es kam vor, dass der König mit seinen roten Schuhen in Hundedreck trat
oder, was weitaus schlimmer stank, in Katzendreck. Denn es lebten zu viele
Hunde und Katzen im Schloss. Aber der König musste seine Schuhe nicht
selber putzen, er hatte einen Diener, der speziell für das Putzen der
königlichen roten Schuhe verantwortlich war. Es kam auch vor, dass er mit
seinen roten Schuhen einem Untertanen in den Hintern trat. Am häufigsten
traf es den Hofnarren, der hatte so eine Art, ihm den Hintern zuzuwenden,
wenn er seine Späße trieb. Der König hatte auch schon seiner Königin, die
nie rote Schuhe trug, beim Tanzen auf die Füße getreten mit seinen roten
Schuhen. Und einmal, als er zu schwungvoll die Beine hob beim ins Bett
gehen, einmal landeten die Pantoffeln, die roten, im Waschbecken. Es
dauerte drei Tage, bis sie wieder trocken waren.
Schon als Kind trug er rote Schuhe. Die ersten Schuhe, die sein Vater, der
auch König war, ihm anmessen ließ, waren rote Schuhe. Er lernte das Laufen
in diesen Schuhen. Er lernte spät laufen. Er saß so gern in seinem
Stühlchen, baumelte mit den Beinen und schaute seine roten Schuhe an.
Jetzt ging der König mit seinen königlichen roten Schuhen übers
Schlachtfeld. Er versuchte, sie sauber zu halten. Das ist nicht ganz
einfach zwischen zerschmetterten Köpfen und abgetrennten Körperteilen. Der
König benutzte einen Spazierstock, um sich den Weg frei zu machen.
Zu: Moritz Götze/Hendrik Tauche „Das Nibelungenlied“
A. und E.
Adam baut Kartenhäuser. Er hat
es darin zu einiger Perfektion gebracht, indem er immer und überall
Kartenhäuser baut, sogar in der Sauna. Eva wartet, bis er mit den letzten
beiden Karten den Turm obenauf bedeckt hat. Dann atmet sie aus.
Zu: Baldwin Zettl A. und E.
Der Eine und der Andere
Hinten geht der Gelbe
vorn kriecht der mit der roten Nase.
Der Gelbe gähnt
und drängelt,
wenn der mit der roten Nase stehen bleibt,
kurz ausruht,
die Armstümpfe, auf die er sich stütz, ausschüttelt.
Los, ruft der Gelbe dann, wir müssen weiter.
Los, weiter!
Der mit der roten Nase
beißt die Zähne zusammen und denkt
Ich mach hier das Tempo.
Zu: Frieder Heinze
„Zwei unterwegs“
Schweigen als Wegzehr
im Tuch um den Hals
Schweigen als Wegzehr
durch den Wald ins Gebirge
Schweigen als Wegzehr
hinter den Zähnen
Schweigen als Wegzehr
Schweigen
Zu: Gerhard Altenbourg „Schweigen als Wegzehr“
GUDRUNE WITSCHETZKY
Und nun?
... sitze ich hier ... ein Jahr später und wieder Frankfurt/Oder ...
überlasse es den Bildern und Drucken, wohin sie mich ziehen ... welches
will sich zuerst in eine Zwiesprache mit mir einlassen?
Große klare Linien, klare Farben - die Bilder von Penck mustern mich von
oben bis unten und sagen dann: "Schwarz-Weiß-Rot, Du weißt schon, wie im
Märchen von Schneewittchen: >>Haar so schwarz wie Ebenholz, Haut so weiß
wie Schnee und Lippen so rot wie Blut<< !
Ja ich weiß, die alte Sprache der Märchen, verschlüsselte Botschaften über
das Alte Wissen, das vor der sogenannten 'heiligen' Inquisition gerettet
werden sollte. Archaische Farbsymbolik zu den drei Stadien des
Lebenszyklus': die Junge, die noch nicht blutet, die Fruchtbare, die
blutet, und die Weise Alte, die nicht mehr blutet.
Es gab Zeiten, da definierte sich der Lebenszyklus der Menschen über den
Lebenszyklus der Frau. Und es gab Zeiten, da mußte dieses Weltbild mit all
seinem Wissen in den Untergrund fliehen, getarnt und codiert werden.
Zum Beispiel eine Erzählung über alte Bräuche - als Mädchen noch zur Frau
initiiert wurden:
Ein junges Mädchen fällt in Trance, ausgelöst durch die Gabe einer alten
Zauberkundigen, einer Priesterin der vorchristlichen Religion: einen
Apfel, Symbol der Fruchtbarkeit, des Erwachsen-Seins. Magie der Alten
Dreigestaltigen Göttin. Das Mädchen erwacht als erwachsene Frau.
Die Darstellung der Alten Zauberkundigen als Böse Hexe, des Prinzen als
Erwecker - beides Elemente der patriarchalen Maskierung, gleichsam die
Tarnfarben unter denen die eigentliche Botschaft versteckt wurde.
Was weitergegeben wurde, mußte getarnt werden - der Verdacht, dem Alten
Glauben anzugehören genügte, die Denunziation genügte, und schon brannten
sie, die Hexe und der Ketzer.
"Und so allerlei andere." sagen die schwarzen breiten Strichmalereien, die
an Felsritzungen erinnern. Alte Symbolik verwendete Penck in seinen
Bildern, aber ob er dabei über vorpatriarchale Gesellschaftstrukturen
nachdachte?
"Schau', welche Blüten die Zerstörung noch heute hervorbringt!" mischen
sich die Arbeiten von Birgit Brenner ein, "die Scherben, die geblieben
sind ..."
>> Kleid << - ein unbehagliches Bild. Das Kleid paßt nicht - eine
unbehagliche zweite Haut für die Trägerin.
Es platzt am Reißverschluß auf und eigentlich ist es auch nicht ihres, wie
der weiße Streifen um das gebräunte Stück Haut im Rückenausschnitt verrät.
Die Vorstellung, in einer unpassenden Hülle durchs Leben gehen zu müssen,
fühlt sich quälend an, hat etwas demütigendes.
Diese Aura aus Minderwertigkeitsgefühlen und vagen Ängstlichkeiten
schwingt auch um Brenners Installation >> Kurzfilm <<.
"Sie lacht oft ohne Grund." Offenbar gibt es in ihrer inneren Welt
mehr zu lachen als in ihrem Alltag.
Sechs Schilder vermerken, daß sie lächelte - immer mit Datum, von 1980 bis
2001. Sechsmal lächeln in 21 Jahren ...
"Man ahnte noch nichts." Was ahnte man nicht? Daß diese Bemerkung
etwas Vergangenes beschreibt, erzeugt eine ungute Ahnung. Was ist ihr
passiert, die sie oft ohne Grund lachte?
"Fehler!" Das Unbehagen wird körperlich spürbar - und etwas weiter
rechts, kleiner: "Immer der gleiche Fehler!" Vorwürfe?
Selbstvorwürfe?
Viel passiert nicht in diesem Kurzfilm, in diesem Leben. Vor allem nichts
Schönes, Wärmendes ... ich möchte es nicht leben.
Aber ich fühle mich erinnert.
An auschnitthafte Szenen meines eigenen Lebens - manchmal ist es so, fühlt
es sich so an - so verunsichert-linkisch ...
Versuchte sie ihre Schultern in dem zu engen Kleid zusammen zu ziehen und
sich Platz zu verschaffen und lachte sie dabei leise mit einem abwesenden
Gesichtsausdruck?
Und Welcher ging das in ihrer Haut, die nicht wirklich paßt, nicht schon
ganz genauso?
Ein Projekt von percussion local e.V. (http://percussionlocal.wordpress.com)
in Zusammenarbeit mit dem Museum Junge Kunst Frankfurt (Oder),
gefördert durch das Kulturbüro der Stadt Frankfurt (Oder)
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